Bornavirus: „Das Risiko beginnt oft mit einem trockenen Besen“
Ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Peter Rupp, Facharzt für Innere Medizin, Klinische Akut- und Notfallmedizin am Klinikum Starnberg, über das Bornavirus – und warum Vorsicht im Alltag meist wichtiger ist als Angst
Landkreis | In Augsburg starb vor wenigen Wochen ein Mann nach einer Bornavirus-Infektion, zuletzt wurden weitere Fälle aus Erding und Regen bekannt. Prof. Dr. med. Peter Rupp vom Klinikum Starnberg erklärt, warum die Gefahr für die Bevölkerung gering bleibt – und weshalb beim Reinigen von Gartenhäusern, Kellern oder Holzlagern trotzdem etwas Vorsicht sinnvoll ist.
Herr Prof. Rupp, zuletzt wurde wieder über Bornavirus-Fälle in Bayern berichtet. Muss man im Landkreis Starnberg Angst haben?
Nein. Angst ist kein guter Ratgeber – weder in der Medizin noch im Alltag. Das Bornavirus ist sehr selten. Aufmerksamkeit ist trotzdem sinnvoll – gerade jetzt, wenn viele Menschen im Garten arbeiten, Holz verräumen oder Schuppen und Keller reinigen.
Warum gerade dort?
Weil man davon ausgeht, dass das Virus über kleine Säugetiere übertragen wird – insbesondere über die Feldspitzmaus. Problematisch ist vermutlich weniger das Tier selbst als aufgewirbelter Staub, der mit Ausscheidungen verunreinigt sein kann.
Der kritische Moment ist dann das Aufräumen?
Genau. Die meisten Menschen denken bei Mäusen an angefressene Vorräte oder ein Rascheln im Holzstapel. Kaum jemand denkt an Viren. Dabei beginnt das Risiko oft mit etwas ganz Alltäglichem: einem trockenen Besen in einem lange geschlossenen Gartenhaus.
Das klingt erst einmal unangenehm.
Ja, aber man muss daraus kein Schreckensszenario machen. Der Garten wird dadurch nicht gefährlich. Es geht eher um vernünftige Vorsicht. Die Medizin kämpft oft gegen Dinge, die man weder sehen noch riechen kann – und deshalb unterschätzen wir sie manchmal.
Was empfehlen Sie konkret?
Eigentlich sehr einfache Dinge: lieber feucht reinigen statt trocken kehren, gut lüften, bei staubigen Arbeiten eine FFP2-Maske tragen und Handschuhe benutzen. Das sind pragmatische Maßnahmen, keine übertriebene Vorsicht.
Und trotzdem gelten Bornavirus-Infektionen als gefährlich.
Ja, weil das Virus schwere Entzündungen des Gehirns verursachen kann. Das Schwierige ist: Die ersten Symptome wirken oft unspezifisch – Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit. Erst später können neurologische Auffälligkeiten hinzukommen.
Was wäre Ihnen bei dem Thema besonders wichtig?
Dass Menschen aufmerksam bleiben, ohne in Sorge zu geraten. Das Problem ist nicht der Garten. Das Problem ist eher, dass wir vertrauten Orten oft blind vertrauen.